UNSER DORF. UNSERE WURZELN.
Büsdorf.
Damals wie heute.
Alte Wege. Vertraute Orte. Und die Menschen, die unser Dorf geprägt haben. Eine Reise durch Büsdorfs Geschichte – von der Urkunde aus dem Jahr 927 bis zur Nachkriegszeit.
Zeitreise beginnenErstmals urkundlich erwähnt.
Bis heute unser Zuhause.


unseres Dorfs.
Büsdorf wird zum ersten Mal urkundlich erwähnt
29. JULI 927 · URKUNDE NR. 321
Ein Dokument.
Der Anfang unserer Geschichte.
Erzbischof Wichfrid von Köln schenkt den notleidenden Schwestern von S. Ursula die nahe gelegene Marienkirche mit Zubehör (wirksam nach dem Tod ihres jetzigen Inhabers), die Kirche zu Büsdorf mit Zubehör sowie weitere Besitzungen und Rechte.
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Deutsche ArbeitsübersetzungVollständige bereitgestellte Fassung+
Arbeitsübersetzung, möglichst nah am lateinischen Text; Ergänzungen in eckigen Klammern.
(Chrismon) Im Namen der heiligen und ungeteilten Dreifaltigkeit. Wichfrid, durch Gottes helfende Gnade Erzbischof der Stadt Köln.
Alle Gläubigen der heiligen Kirche Gottes, die jetzigen wie die künftigen, sollen wissen: Durch göttliche Eingebung ermahnt, haben wir den ehrwürdigen Schwestern, die in der Kirche der heiligen Jungfrauen Gott Tag und Nacht treu dienen, aus unserem Besitz etwas für ihren Unterhalt hinzugegeben. Als wir nämlich nachforschten, stellte sich heraus, dass sie bei der täglichen Ernährung großen Mangel litten. Denn wir wissen wohl: Je größer ihr Mangel an Speise ist, desto weniger werden sie sich um den Gottesdienst mühen. Und das eine kann man von ihnen nicht verlangen, wenn man ihnen das andere entzieht.
Deshalb haben wir mit Zustimmung und auf gemeinsamen Rat unserer Getreuen, der Geistlichen wie der Laien, ihnen etwas zur Aufbesserung ihrer Pfründe überlassen. Wir tun dies aus Liebe zum Herrn und Erlöser, aus Ehrfurcht vor den dort ruhenden 11.000 heiligen Jungfrauen und auch zu unserem eigenen Gedenken. Sie erhalten die ganz nahe gelegene Kirche der heiligen Maria, und zwar nach dem Tod des Priesters Ruothbert, des Schulmeisters, der sie jetzt als Lehen innehat. Dazu gehört alles, was zu dieser Kirche gehört: die in der Nähe erbaute Kirche zu Ehren des heiligen Bekenners Desiderius, 60 Morgen [Land] rings um sie vor der Stadt und eine halbe Hufe im Dorf Niehl.
DIE ERWÄHNUNG BÜSDORFS
Außerdem erhalten sie eine zweite Kirche, die im Dorf Büsdorf gegründet ist, mit ihrem Zubehör. Das sind die Gebäude und das Herrenland [Salland], ausgenommen 10 Tagewerke, von denen 1 Schilling gezahlt wird. Dazu kommen zwei Hufen von Hörigen, von denen 5 Schillinge gezahlt werden, und drei weitere Hufen: zwei in Walthorpi, die dritte im Dorf Longerich. Von diesen drei kommen jedes Jahr 14 Schillinge ein. Die Hörigen, die dort wohnen, zahlen im Juni jeder 1 Schilling Kopfzins. Ihre Frauen geben am Martinsfest [11. November] 5 Pfennige.
Außerdem erhalten sie sechs Stücke Weinberg bei Remagen und zweieinhalb Arpenten [Weinbergmaß] in Guntersblum. Dazu kommen ein eigener Wald für 20 Schweine bei dem oben genannten Dorf Walthorpi und eine halbe Hufe bei der Burg Jülich.
All dies haben wir den oft genannten Nonnen aus unserem Besitz hinzugegeben. Sie sollen wegen Mangels an Unterhalt keinen Grund haben, irgendwohin umherzuziehen. Vielmehr sollen sie, mit dem nötigen Lebensunterhalt versorgt, ohne jede Behinderung fromm im Dienst Gottes bleiben können. Damit diese Schenkung aus unserer Vollmacht für immer fest und beständig bleibe, haben wir diese Urkunde darüber schreiben lassen. Wir haben sie unten mit eigener Hand bekräftigt und von glaubwürdigen Zeugen bekräftigen lassen.
Zeugen
Im Original steht vor jedem Namen „Signum“, also „Zeichen des …“.
- Herr Erzbischof Wichfrid, der diese Urkunde ausstellen ließ
- Propst Odilo
- Die Priester Erfgis, Thruduin, Albert, Gerbert, Wano, Hildibert, Heriward, Aluric, Adilin, Gaubert, Engilbert, Gerhard, Ruothbert, Thiedrich, Adalhard, Meginolf, Thancolf, Wolfhard
- Vizedominus [Verwalter des erzbischöflichen Besitzes] Reginold
- Ohne Standesangabe: Rathbert, Ecquin, Everwin, Hildibold, Engilger, Gerbert, Urold, Thiedo, Otbert, Herirad, Mathfrid, Wolfrid, Hathager, Berold, Ruothpold, Amalrich, Heimerich, Witar, Liutbert, Salecho
Datierung
Gegeben am 4. Tag vor den Kalenden des August [= 29. Juli]. Geschrieben vom Priester und Kanzler Heribert im Jahr 927 nach der Menschwerdung des Herrn, im 9. Jahr des ruhmreichen und unbesiegten Königs Heinrich [I.], in der 15. Indiktion. Im Namen Gottes, glückhaft. Amen.
Lateinischer UrkundentextMit Zeugenliste, Datierung und Editionszeichen+
(C.) In nomine sanctae et individuae trinitatis. Uuichfridus divina opitulante clementia Coloniensis civitatis archiepiscopus. Noverit omnium sanctae dei aecclesiae fidelium praesentium scilicet et futurorum industria, qualiter nos divina inspiratione admoniti venerabilibus sororibus, quae in ecclesia sanctarum virginum deo die noctuque fideliter deserviunt, aliquid ex nostro ad illarum refectionem addere curavimus. Nobis nanquea inquirentibus compertum est illas in cotidiano victus sui alimento magnum habuisse dispendium. Non enim ignoramus, quod ad peragendum divinum officium tanto minus desudabunt, quanto maiorem cibi penuria sustinuerint, et quod ab illis unum non exigetur, si alterum subtrahitur.
Unde iuxta consensum communeque consilium nostrorum fidelium tam clericorum quam laicorum propter amorem domini salvatoris propterque reverentiam XI milium sanctarum virginum inibi requiescentium nec non et propter nostri recordationem concessimus eis habendam ad augmentationem illarum praebendae ecclesiam sanctae Mariae proxime statutam post obitum Ruothberti presbiteri, scolaris videlicet magistri, qui ipsam nunc iure beneficiario tenet, cum omnibus rebus ad se pertinentibus, id est ecclesia in honorem sancti Desiderii confessoris prope constructa et LX iugeribus per circuitum illius in suburbanis iacentibus et manso dimidio in villa Niele1 habito;
insuper etiam cum altera ecclesia in villa Bozilesthorpe2 nuncupata fundata et suis appenditiis, hoc est aedificiis, terra salaricia praeter iurnales X, ex quibus solidus I solvetur, cum duobus eciam mansis servilibus, de quibus solidi V reddentur, cum tribus aliis, quorum II iacent in Uualathorpi3, tertium in villa Lunrike4, deb ipsis autem tribus solidi XIIII annis singulis provenient. Famuli vero ea incolentes in mense iunio de capitibus suis solidum I persolvent. Uxores autem illorum denarios V ad missam sancti Martini dabunt.
Pręterea quoque cum VI vinearum particulis circa Riogomagamc5 iacentibus et arpennis II et dim(idio) in Gunterespumere6 sitis cum silva eciam speciali ad porcos XX iuxta supranominatam villam Uualathorpi et manso dimidio iuxta castellum Iulicham7. Haec omnia sępe memoratis sanctimonialibus ex nostro addere curavimus, quatinus propter stipendii inopiam usquam vagari occasionem non haberent, sed ut potius victum necessarium habentes in dei cultu absque ullo impedimento devote perseverare possent. Et ut huiusce nostrae auctoritatis largitio firma stabilisque in perpetuum permaneat, iussimus hanc cartam inde conscribi manuque nostra subtus illam firmavimus manibusque testium probabilium roborari fecimus.
Signum domni Uuichfridi archiepiscopi, qui hanc cartam fieri iussit. Signumd Odilonis prepositi. Signum Erfgisi presbiteri. Signum Thruduuini presbiteri. Signum Alberti presbiteri. Signum Gerberti presbiteri. Signum Uuanonis presbiteri. Signum Hildiberti presbiteri. Signum Heriuuardi presbiteri. Signume Alurici presbiteri. Signum Adilini presbiteri. Signum Gauberti presbiteri. Signum Engilberti presbiteri. Signum Gerhardi presbiteri. Signum Ruothberti presbiteri. Signum Thiedrici presbiteri. Signum Adalhardi presbiteri. Signumf Meginolfi presbiteri. Signum Thancolfi presbiteri. Signum Uuolfhardi presbiteri. Signum Reginoldi vicedomni. Signum Rathberti. Signum Ecquini. Signum Eueruuini. Signum Hildiboldi. Signumg Engilgeri. Signum Gerberti. Signum Uroldi. Signum Thiedonis. Signum Otberti. Signum Heriradi. Signum Mathfridi. Signum Uuolfridi. Signumh Hathageri. Signum Beroldi. Signum Ruothpoldi. Signum Amalrici. Signum Heimerici. Signum Uuitarii. Signum Liutberti. Signum Salechonis.
Data IIII kal. aug. et scripta ab Heriberto presbitero atque cancellario anno dominicae incarnationis DCCCCXXVII, anno vero Heinrici gloriosi et invictissimi regis VIIII, indictione XV; in dei nomine feliciter amen.
Orte, Begriffe & EditionshinweiseLesarten und offene Zuordnungen+
Ortsnamen im Text
- Niele = Niehl
- Bozilesthorpe = Büsdorf
- Uualathorpi = nicht sicher identifiziert (früher meist mit Waldorf gleichgesetzt)
- Lunrike = Longerich
- Riogomagam = Remagen
- Gunterespumere = Guntersblum
- Iulicham = Jülich
Zeichen der Edition
- a) nanque: so im Original
- b) de: am d verbessert
- c) Riogomagam: „go“ über der Zeile nachgetragen
- d)–h) Beginn der 1. bis 5. Spalte der Zeugennamen im Original
Zur Übersetzung
Praeter wird in der hier bereitgestellten Arbeitsübersetzung mit „ausgenommen“ wiedergegeben. Die frühere Übersetzung der Ortsauszüge verwendete „neben“. Die lateinische Stelle bleibt unverändert; die unterschiedliche Lesart ist damit kenntlich gemacht.
- Hufe · mansus
- Bäuerliche Wirtschaftseinheit; mansus servilis bezeichnet eine von Unfreien bewirtschaftete Hufe.
- Salland · terra salaricia
- Land, das der Herrenhof selbst bewirtschaftet.
- Joch / Morgen · iugerum; Tagwerk · iurnalis
- Flächenmaße; ungefähr das Land, das an einem Tag gepflügt werden kann.
- Arpent · arpennis
- Flächenmaß, besonders für Weinberge.
- Schilling · solidus
- Rechnungsmünze.
- iure beneficiario
- Nach Lehnsrecht, als Benefizium.
- eis / illarum
- Die weibliche Form „illarum“ verweist auf die Empfängerinnen.
Welche Marienkirche?
Die Edition sagt nicht, welche Marienkirche gemeint ist. Die Rückaufschrift nennt sie „S. Maria in campo“ im Norden der Stadt. Die Gleichsetzung mit S. Maria Ablass nahe S. Ursula ist nur eine naheliegende Vermutung; sie wird hier nicht als gesicherte Identifizierung übernommen.
Überlieferung, Archiv & ForschungSignaturen und Hinweise für eine Archivanfrage+
Original
- Historisches Archiv der Stadt Köln (HAStK)
- Bestand Stift S. Ursula, Urkunde 3/2
- Pergament; auf der Rückseite ein Vermerk aus dem 10./11. Jahrhundert in Großbuchstaben
Abschrift aus dem 18. Jahrhundert
Historisches Archiv der Stadt Köln, Bestand 1001 (Sammlung Alfter), Band 12, Seiten 85–87.
Angaben für eine Anfrage beim Archiv
- Urkunde Erzbischof Wichfrids von Köln für das Stift S. Ursula vom 29. Juli 927
- Signatur laut Edition: S. Ursula, Urk. 3/2
- Edition: Rheinisches Urkundenbuch, Ältere Urkunden bis 1100, Bd. 2, Nr. 321, S. 354–356
- Weitere Drucke: Lacomblet, UB Niederrhein I Nr. 88; Regesten der Erzbischöfe von Köln (REK) I Nr. 321
Die Signaturen stammen aus der Edition von 1994. Das Archiv hat sie möglicherweise inzwischen geändert. Nach dem Einsturz des Archivs 2009 sollte vorab geklärt werden, ob das Stück erhalten ist, eingesehen werden kann oder als Digitalisat vorliegt – über das Digitale Historische Archiv Köln oder beim Lesesaal. Die hier bereitgestellten Bilder ersetzen diese Auskunft nicht.
Rückvermerk und Schrift
Auf der Rückseite des Originals steht ein Vermerk aus dem 10./11. Jahrhundert in Großbuchstaben. Er nennt die Schenkung der Marienkirche „in campo“ im Norden der Stadt an die heiligen Jungfrauen. Außerdem gibt es die oben genannte Abschrift aus dem 18. Jahrhundert.
Geschrieben hat die Urkunde der Schreiber, den die Forschung „Heribert 1“ nennt. Er ahmt das Aussehen und einzelne Formulierungen einer Königsurkunde geschickt nach.
Die Formel „iuxta consensum communeque consilium“ steht in allen Wichfrid-Urkunden, die den Kanzler Heribert nennen (RhUB 247, 248, 323, 324, 326). Vorbild war vielleicht das Diplom Lothars II. für die Kölner Kirche (RhUB 218).
Das Pergament ist blind liniert. Die Zeugenlisten halten sich aus Platzmangel nicht an die Linien.
Weitere Literaturhinweise
- Tiefenbach (1984) zu den Personennamen
- Wegener (1971) zu den Besitzungen
- Ewig (1954) zum Patron der Desideriuskirche
Transkription, Arbeitsübersetzung und Erläuterungen nach den für diese Website bereitgestellten Unterlagen. Quellenangaben und Signaturen beziehen sich auf die genannte Edition.
Klicke auf einen Begriff — die Erklärung klappt auf.
Die Unterhaltungspflichten waren genau geregelt: Die Pächter des Büsdorfer Fronhofs mussten jährlich das Dach der Kirche besteigen und nach dem Rechten sehen. Der Pastor trug die Kosten für den Chor, die Pfarrgemeinde für den Turm. Im Visitationsbericht von 1738 wurde vermerkt, dass Kirche und Pfarrhaus einer Reparatur bedürften.
Fliestedener Straße 1 — eines der alten Häuser von Büsdorf. Foto: Ludwig Theißen
Die Mehrzahl der Höfe ging in das Eigentum der bisherigen Pächter über. Eine zeitgenössische Aufzeichnung beschreibt den Wandel: „Die Halbwinner und Eigentümer von Ländereien, sonst in grauleinenen Kitteln gekleidet, kleideten sich fortan in feines Wolltuch; ihre Frauen und Töchter wechselten ihre rohen leinen Schürzen mit katunenen und seidenen Stoffen. Chaisen (Kutschen) traten an die Stelle von Karren, wenn der Halbwinner ausfuhr."
Die Büsdorfer Windmühle und das Kreuz von 1843. Foto: Hermine Braschoß
Die Büsdorfer Kirche, erbaut 1894/95. Foto: Wolf-Dieter Körner
"Ovends-Glock, de Kenger nom Bett"
Am Karsamstag zogen die Messediener mit großen Körben durch das Dorf und sammelten Ostereier:
"He kummen die Jonge, die jerasselt han,
die wellen och jern e Osterei han."
Übrige Geschichtstexte: Dr. Braschoss, 1000 Jahre Büsdorf.
Urkunde: Rheinisches Urkundenbuch. Ältere Urkunden bis 1100, Bd. 2: Elten – Köln, S. Ursula, Nr. 321, S. 354–356. Original laut Edition: Historisches Archiv der Stadt Köln, S. Ursula, Urk. 3/2.
